Städtefreundschaft zwischen Aalen und Vilankulo

Soforthilfe aus Aalen für Lebensmittel


Da war die Städtefreundschaft zwischen Aalen und Vilankulo gerade so gut angelaufen, als die Pandemie mit aller Wucht zuschlug. Die für Mai 2020 geplante erneute Delegationsreise von Aalener Vertretern nach Vilankulo musste leider coronabedingt ausfallen. Einige Projekte liegen leider auf Eis. Aber gerade Notsituationen schweißen zusammen, so wie in diesem Fall.

Die Küstenstadt Vilankulo, die zu einem nicht unerheblichen Teil vom Tourismus lebt, ist von den Folgen des Lockdowns hart getroffen. Mosambik hat über Monate alle Grenzen und damit auch alle Flughäfen für den internationalen Reiseverkehr geschlossen. Zwischen März und Oktober 2020 gab es keinerlei ausländische Touristen in Mosambik. In der Folge bleiben auch in Vilankulo alle Lodges und Hotels geschlossen, viele mussten Insolvenz anmelden. Rund 17.500 vom Tourismus abhängige Haushalte verloren ihre Einkommensquelle. Die Arbeitslosigkeit stieg massiv an, die städtischen Einnahmen sanken drastisch, so dass die Stadt Vilankulo viele ihrer geplanten sozialen und wirtschaft­lichen Projekte nicht umsetzen kann.

Das drängendste Problem ist jedoch die Lebensmittelknappheit. Wie in vielen anderen Regionen Mosambiks explodieren in Vilankulo die Lebensmittelpreise. Der monatelang andauernde Lockdown hat die Versorgungsketten in Mosambik unterbrochen. Überall kommt es zu Versorgungsengpässen.

Soforthilfe für Lebensmittelausgabe

Einem spontanen Spendenaufruf der DMG folgten im Sommer 2020 viele Aalener, so dass 7.000 Euro Soforthilfe für den Kauf von Lebensmitteln in Vilankulo zusammenkamen. Die Stadt Aalen stockte die Spende um weitere 1.000 Euro auf. Von dem Geld konnten in Vilankulo circa 600 besonders schutzbedürftige Familien mit Grundnahrungsmitteln wie Reis, Mehl, Zucker, Speise­öl und Salz für circa einen Monat ausgestattet werden. Schutzmasken und Seife wurden ebenfalls ausgegeben. Die Verteilung hat in Vilankulo viel positive Resonanz ausgelöst, das örtliche Fernsehen und die Zeitungen haben berichtet. Zuhause zu bleiben, um sich vor dem Virus zu schützen, ist in Vilankulo für viele der Menschen, die als Kleinbauern und Händler auf die Märkte angewiesen sind, keine Option. Die Lebensmittelspenden und die kostenlosen Schutzmasken helfen da zumindest ein wenig.

Aufbau einer verbesserten eigenen Lebensmittelproduktion

Gleichzeitig hat der Oberbürgermeister von Vilankulo ein Programm initiiert, das die Lebensmittelproduktion in Vilankulo stärker auf eigene Beine stellen soll, um weniger auf den teuren Import aus anderen Provinzen angewiesen zu sei. Die Bauern, die vor Ort häufig nur Subsistenzwirtschaft betreiben, werden systematisch angeleitet, die Felder effizienter zu bebauen, so dass überschüssiges Gemüse verkauft werden kann. Ziel ist es, die Anbauflächen zu vergrößern und die Produktionstechniken zu verbessern. Sogar der Bau eines Gewächshauses inklusive Bewässerungssystem ist geplant. Hierzu müssen Saatgut und Dünger gekauft, Geräte angeschafft und vor allem die Bevölkerung von Fachleuten entsprechend geschult werden. Das Programm soll sich innerhalb von 6 Monaten selbst tragen.

Nachdem die DMG für das Projekt geworben hat, haben sich einige DMG-Freunde mit Spenden beteiligt. Dazu gehört u. a. auch die Friedrich Hospitality Foundation, die das Projekt mit einer Großspende in Höhe von 20.000 Euro fördert.

Vilankulo ist aktuell verstärkt darum bemüht, die eigene Infrastruktur zu verbessern mit dem Ziel, auch inländische Touristen zu gewinnen, und bekommt hier Unterstützung durch einen Experten der GIZ.

Enger Kontakt auch in Pandemiezeiten

Die Stadt Aalen bemüht sich während Pandemiezeiten darum, seine Städtefreundschaften mit Leben zu füllen. So hat sie einen Kontakt zwischen der türkischen Stadt Antakya (ebenfalls eine Partnerstadt von Aalen) und Vilankulo hergestellt, so dass Vilankulo die Gelegenheit bekommt, sich während der Gartenbau-EXPO 2021 in der Türkei zu präsentieren. Die Gartenbau-EXPO wurde aufgrund der Pandemie auf Oktober 2021 verschoben. Die Stadt Aalen wird sich hier ebenfalls präsentieren.

Vilankulo, das heute circa 76.400 Einwohner zählt, wurde im Februar 2020 vom Ministerrat in Mosambik aufgrund der – zumindest bis zu Beginn der Pandemie – positiven wirtschaftlichen Entwicklung und des Bevölkerungswachstums der Status einer „Stadt“ verliehen. Zuvor war Vilankulo noch in der Kategorie „Gemeinde“ geführt worden, einer Größenordnung, der die Stadt längst entwachsen war.

Noch nicht realisiert

Das IT-Schulungskonzept der Firma Mapal für Jugendliche in Mosambik musste coronabedingt ausgesetzt werden, soll aber so schnell wie möglich wieder anlaufen. Die geplante Einrichtung eines Metallausbildungszentrums in Vilankulo mit Hilfe aus Aalen wird hoffentlich bald umgesetzt werden können. Gleiches gilt für die Pläne der Einrichtung einer Mülldeponie in Vilankulo. Die Arbeit am neuen Ausbildungszentrum für Gastronomie der Friedrich Hospitality Foundation wurde von der Pandemie zwischenzeitlich zum Stillstand gezwungen. Und auch der geplante Jugendaustausch zwischen dem Aalener Theater und dem Theater in Vilankulo muss warten. Eigentlich hätten zu Pfingsten acht mosambikanische Jugendliche zum gemeinsamen Theaterprojekt nach Aalen kommen sollen.

Die Chissano-Stiftung hat der DMG in Zusammenarbeit mit den „Karmeliterinnen des Heiligen Herzen Jesu“ einen Projektvorschlag für eine Vorschule in der Region Bela Vista, etwa 30 Kilometer südlich der Hauptstadt Maputo, vorgelegt. Es gibt dort sehr viele Kinder, die in Ermangelung eines Vorschulkindergartens mit ihren Müttern aufs Feld gehen müssen. Damit diese Kinder eine Chance auf Bildung erhalten, wird eine Vorschule für circa 100 Kinder dringend gewünscht. Die Baukosten einschließlich Einrichtung würden sich voraussichtlich auf 65.000 Euro belaufen. Die DMG ist auf der Suche nach einem Sponsor für dieses Projekt.